non/ anti-objectperformative environments Berlin

„Die Poetik des „offenen“ Kunstwerks strebt, wie Pousseur sagt, danach, im Interpreten „Akte bewusster Freiheit“ hervorzurufen, ihn zum aktiven Zentrum eines Netzwerkes von unausschöpfbaren Beziehungen zu machen, unter denen er seine Form herstellt, ohne von einer Not- wendigkeit bestimmt zu sein, die ihm die definitiven Modi der Organisation des interpretierten Kunstwerks vorschriebe. [...] Das „Kunstwerk in Bewegung“ bietet die Möglichkeit für eine Vielzahl persönlicher Eingriffe, ist aber keine amorphe Aufforderung zu einem beliebigen Eingreifen. [...] Der Künstler, so kann man sagen, bietet dem Interpretierenden ein zu vollendendes Werk.“

Umberto Eco, „Die Poetik des offenen Kunstwerkes“ in: Das offene Kunstwerk. Suhrkamp Frankfurt, 1973

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Auseinandersetzung mit der Notation offenes Kunstwerk und der Entwurf eines per- formativen, räumlichen Systems das unterschiedliche Handlungen im Stadtraum ermöglichen kann. Diese non-objects sollen handlungsbezogen und temporär an bestimmten Orten in Berlin „entfaltet“ werden und sich in einer Vielzahl von Situationen und Raumzuständen manifestieren.

Ziel ist die Entwicklung eines räumlichen Kommunikationswerkzeuges das sich an die vorgefundene urbane Situation anpas- sen kann, sie hinterfragt, neue Handlungsräume eröffnet, Möglichkeiten schafft, den Körper erweitert und neue Räume und Atmosphären in der Stadt aktiviert. Dies kann eine Art räumlicher Prothese für den Körper, vielleicht auch eine Ausweitung, Ausdehnung des Körpers sein, die den gewählten Ort um Sehnsüchte, Wünsche erweitert oder spezifische Fragen zum örtli- chen Kontext aufwirft. Diese Strukturen sollen vielmehr Verhaltensweisen der/des Menschen beeinflussen, Handlungsräume schaffen, als sich rein dem menschlichen Körper anpassen.

Non|Anti-Objects sind frei von repräsentativen Zeichen, unbeeinflusst und frei von Konventionen des Gebrauchs und For- mensprache, vielmehr sollen sie über die Offenheit ihres Ausdrucks unterschiedlichste Handlungen ermöglichen. Eine fixe Funktion bzw. Nutzbarkeit ist nicht in die Form eingeschrieben. Durch ihr offenes, performatives System und der damit ver- bundenen Veränderung ermöglichen sie eine permanente Erneuerung von Form und Raum und eröffnen so unterschiedlichste Handlungsoptionen für den Benutzer. Viele der inhärenten Formen dieses Kommunikationswerkzeuges werden überhaupt nur sichtbar, wenn sie mit dem Körper als Handlung „ausgefüllt“ werden; die Handlung und die Entfaltung der Form soll prozes- sual in Zeit und Raum angedacht, angelegt und ausgeführt werden. Durch die performative Handlung wird der Betrachter zum Nutzer und soll zum handelnden und reflektierenden Mittäter und eine selbsttätige Erfahrung ermöglicht werden. Dieser performative Raum entsteht durch innere und äußere Handlungen, die sich an und mit dem künstlerischen Material / System entfalten.

Berlin dient als Interventions- und Aneignungsraum. Zur Schaffung eines spezifischen performativen environments wird spe- zifisch die räumliche Beziehung von Körpern und Dingen an dem gewählten Ort untersucht. Ein reiner Funktionalismus soll hinterfragt werden und die einschließen, die sonst nicht einbezogen werden – existierende räumliche und urbane Systeme sollen durch den Entwurf und die Intervention manipuliert und verändert werden. Es können Installationen oder Performan- ces sein, die räumliche Grenzen hinterfragen, sie verschwommen und flexibel halten oder gar neu definieren und sich auf die Aneignung und den Gebrauch des bereits bestehenden Raumes beziehen. Die Form löst sich in Handlung auf.