chromatic structurescolorlab_ farbe l form l raum l material

„HÉLIO OITICICA´S ARCHITECTURALLY SCALED STRUCTURES ARE TO BE TRAVERSED BODILY AND EXPERIENCED WITH ALL SENSES. (...) HIS WORKS ARE LIKE THREE-DIMENSIONAL INTERACTIVE PAINTINGS IN WHICH COLOR IS EXPERIENCED BY TOUCH AND SMELL AS MUCH AS BY SIGHT." Lynn Zelevansky über die Arbeit von Hélio Oiticica in „Beyond Geometry. Objects, Systems, Concepts"

„FOR THE PAULISTA, COLOR MEANS SURFACE-COLOR, PURE LUMINOSITY, COLOR LINKED TO A FORM THAT IN THAT CASE FUNCTIONS AS AN OBJECT; FOR THE CARIOCA, INSTEAD, COLOR IS ALSO SPACE, IT IS ENLIGHTENMENT, A VISION, SAY, OF EMPTY SPACES; IT IS NEGATIVE FORM." Mario Pedrosa in „Paulistas e cariocas", 1957

Im Sommersemester werden wir uns mit der Erfindung unterschiedlicher Farb- und Materialtypologien experimentell auseinandersetzen. Die Entwicklung innovativer Farbsysteme die unterschiedliche Sinne ansprechen, „kommunizieren" und in Interaktion treten können, stehen im Mittelpunkt des Seminars Chromatic::Structures.

Wir werden wir uns mit klassischen Farbsystemen und -theorien auseinandersetzen, aber auch eigene Methoden entwickeln, Farbe als ein Werkzeug für unterschiedliche Bereiche der Gestaltung zu instrumentalisieren. Künstlerisch-experimentelle Arbeiten aus den Bereichen Kunst, Architektur und Design werden analysiert und Prinzipien, Techniken, Raumgeometrien und Materialien herausgefiltert, aus denen prozesshaft eigene Farbmodelle und -strukturen entwickelt werden.

FARBE IST MATERIAL, LICHT, SYSTEM UND KLANG

Der brasilianische Künstler Hélio Oiticica (1938-1980) erforschte das Thema Farbe auf in seinen Arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen: als Anstrich einer Oberfläche, in seiner ursprünglichsten Form als Pigment, natürliche Farben und schliesslich polychrome Textilien, die durch die Interaktion mit dem Benutzer und dessen Bewegung temporäre Räume entstehen liessen. Seine Arbeit ist auch eine Weiterentwicklung von Josef Albers Bilderserie Hommage to the Square von 1949, in der es im um die Wechselbeziehung von Farben zueinander ging: entweder wird ein Farbton variiert oder es werden Kontrastfarben verwendet. Die Quadrate, mal drei, meist vier, werden immer im gleichen Schema angeordnet um die Farbeffekte möglichst wenig zu beeinflussen.

FARBE IST FORM UND STRUKTUR

Auch die ersten Arbeiten Oiticicas waren Studien zu Farbbeziehungen; danach entstanden monochromatische Arbeiten, wie etwa seine Metaesquemas, die, basierend auf einem Raster, aus flächigen Parallelogrammen bestehen. Ein Wechsel vom zwei- zum dreidimensionalen Raum erfolgte mit einer Serie von Objekten, den Bilaterals im Jahre 1959. Doppelseitige, quadratische farbige Objekte, die im Raum hängend angeordnet sind. Diese Freisetzung der Farbe in den Raum hinein, wurde durch ein weiteres wichtiges Element gekennzeichnet: Zeit. Durch die Räumlichkeit der Objekte war der Betrachter nun gefordert, um die Arbeiten herumzugehen, um sie in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen.

FARBE IST RAUM

Die Rauminstallation Grand Núcleo (1960-66), bestehend aus mehreren farbigen, abgehängten und versetzten Panelen bilden im Raum eine Art Labyrinth, das es den Besuchern ermöglichte sich zwischen und durch diese „schwebenden Farben" zu bewegen. Diese Raumfarbsysteme und -strukturen überträgt er später auf andere, ephemere Materialien. Die Arbeit Parangolés, textile farbige Strukturen für den Körper, wurden von Tänzern aus den Favelas getragen und kommunizierten mit dem Benutzer über das eigene Erleben. Hélio Oiticica entwickelte „multi-sensorische" Werke, in denen der strategische Umgang mit Farbe unterschiedliche künstlerische Potentiale freisetzen konnte.