datascapesnetzwerke l datenspuren l raumtopographien

„IN A WAY, THE VISIONS OF THE 1960S HAVE BECOME REALITY. AS ARCHIGRAM AND SUPERSTUDIO AMONG OTHERS ANTICIPATED, WE PLUG IN, TURN ON, AND TUNE UP OUR ENVIRONMENT. WE ARE GLOBAL NOMADS UNTETHERED IN AN OCEAN OF ACCESS, FLOATING IN THE FLUX OF INFORMATION AND CAPITAL THAT CREATES THE BACKGROUND OF OUR HAPPILY NETWORKED AND CONNECTED LIVES. THE ENABLING INFRASTRUCTURES OF COMMUNICATION AND DATA NETWORKS THAT WERE FANTASIZED IN THE EARLY MODERN 30S, ENGINEERED IN THE THERMONUCLEAR PARANOIA OF THE 50S, AND POLITICIZED AND SOCIALIZED IN THE COUNTER-CULTURE OF THE 60S AND 70S ARE NOW MATERIALIZED, BUREAUCRATIZED, AND COMMERCIALIZED AS THE UBIQUIOUS ORGANIZING STRUCTURE FOR THE POST-CONSUMER DYNAMICS OF EMPIRE.“

Anthony Burke in „Redefining Network Paradigms“ in „Network Practices“, 2007

Im Mittelpunkt des Sommersemesters steht die künstlerisch-räumliche Auseinandersetzung mit Informations- und Datensystemen. Unsichtbare Datenspuren sollen mit raumbezogenen Mitteln in einem Entwurf sichtbar gemacht werden. Es entstehen so Raumkonstrukte, begehbare Geometrien und Beziehungsgeflechte, die Datenflüsse, Informationen und deren Beziehung untereinander räumlich erfahrbar machen sollen.

Im Bereich der Informationsgestaltung sind diese Organisationsmodelle bekannt und manifestieren sich beispielsweise in der Form des Diagramms. Es ist ein visuelles und grafisches Werkzeug um bestimmte Informationen zu verarbeiten. Da typologisch nicht fixierbar, ist es offen für dynamische Prozesse und ist Medium um bestimmte Logiken aufzuzeigen. Das Diagramm als „abstrakte Maschine“ stellt Bezüge zwischen Aktion und Form her, organisiert Struktur und stellt Funktionen bereit. Seine zunächst maßstabslose Struktur erlaubt Imagination und macht es zum Vermittler zwischen Daten und Form. Oft entsteht so ein zunächst zweidimensionales geometrisches Konstrukt, das auch für den räumlichen Entwurf instrumentalisiert werden kann. Das Diagramm, in dem alle Information gebündelt wird, ist nicht nur eine Abbildung der gesammelten Information sondern besitzt das Potential neue unerwartete Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Vor allem sind es Netzwerkstrukturen, die zu abstrakten organisatorischen Modelle von kultureller und technologischer Produktion geworden sind. Dies wird heute vor allem im Bereich der Telekommunikation und der Darstellung sozialer Netzwerke sichtbar. Informationen und Daten können so strukturiert, visualisiert und erfahrbar gemacht werden, von sozialen Netzwerken bis hin zu Informationen globaler militärischer Operationen. Netzwerke bestehen klassischerweise aus Knoten- oder Verbindungspunkten und Linien, die ein bestimmtes Beziehungsgeflecht sichtbar machen. Diese „Informationsnetze“ formieren unterschiedlichen organisatorischen Topologien und unterliegen ständiger Veränderung, sind also offene, flexible Systeme, die sich performativ und adaptiv verhalten können.

In räumlicher Hinsicht gab es bereits in den 60er Jahren in der Architektur zahlreiche Beispiele, in denen sich Architekten mit Netzwerken beschäftigt haben, um beispielsweise unsichtbare elektronische Netzwerke räumlich erfahrbar zu machen. Buckminster Fuller, Yona Friedman oder Archigram entwickelten aus diesen „versteckten Geometrien“ Modelle für räumliche Konstrukte, die gleichzeitig zu Infrastrukturen wurden. Räumliche Netzwerke waren somit nicht mehr rein visuell, sondern sind zum Modus Operandi unterschiedlichster Gruppen geworden. Bei Archigram beispielsweise bewohnten Menschen Knotenpunkte und Verbindungen selbst. Netzwerke wurden so zu reagierenden Systemen, die in Interaktion mit den Benutzern traten. Andere Positionen wie etwa die des niederländischen Architekturbüros MVRDV in den 90er Jahren waren ein provokativer Versuch, das Chaos der Stadt in reine Information umzuwandeln. Die räumlichen Konsequenzen wurden durch computer-generierte Entwürfe sichtbar gemacht und stellten dar, wie das eigene kollektive Verhalten unsere gebaute Umwelt ausformen würde. Künstlerische Positionen wie etwa die Arbeiten von Tomas Saraceno beschäftigen sich mit Netzwerken auf eine andere Weise und erforschen sie vielmehr auf einer konstruktiven und atmosphärischen Ebene. Von seiner und andere künstlerischen Arbeiten lassen sich unterschiedliche Techniken und Verfahren ableiten, wie Netzwerke materialbezogen, physisch im realen Raum artikuliert werden können. Es entsteht eine Interaktion und Auseinandersetzung des Besuchers mit dem Raumkonstrukt.